Wer sind die Brambrillas

WIR SCHREIBEN KINDERGESCHICHTEN UND DENKEN UNS IMMER WIEDER ETWAS NEUES AUS. WIR ZEICHNEN UND FOTOGRAFIEREN. MAL ZUSAMMEN, MAL JEDE FÜR SICH. BASTELN, FILOSOFIEREN UND KOCHEN TUN WIR AUCH GERNE. WIR MÖGEN TIERE UND DAS MEER. DIE NATUR LIEGT UNS AM HERZEN UND DIE FREUDE DARAN WOLLEN WIR MIT EUCH TEILEN.

18. Mai 2015

Die Geschichte des alten Fischers Yanni, der den Horizont besuchen wollte - Teil 3

Ihr Lieben
Ob Yanni wohl heute seinem Ziel, den Horizont zu besuchen, einen Schritt näher kommt? 


CALA, DIE SCHILDKRÖTE


Tatsächlich hatte Yanni keine Vor-stellung darüber, wie lange er bereits unterwegs war, und wieviele Sorgen sich Sofia um ihn machte. Was ihm wie ein paar Tage erschien, waren in Wirklichkeit Jahre gewesen. Mittlerweile war Athina gestorben und Sofia zu einer jungen Frau herangewachsen, die als einzige im Dorf immer noch auf Yannis Rückkehr hoffte. Das konnte Yanni aber nicht wissen, denn auf der Reise zum Horizont zählten allein die Meeresstunden und die folgten ihren eigenen Gesetzen. 
Yanni wollte trotz des immer noch tobenden Sturmes zu seinem Boot zurückschwimmen und nach Hause fahren, als Cala noch etwas verschlafen auf ihn zuschwebte.
Wie schön sie ist, dachte Yanni entzückt. 

«Grüss dich, Yanni. Könntest du mir bitte den Panzer abschrubben? Ich komm da so schlecht ran», bat sie ihn und rieb sich gähnend die Augen. 
«Aber natürlich», antwortete Yanni hilfsbereit.
Er griff nach etwas Sand und rubbelte den mit Algen und Moos bewachsenen jahrzehntealten Panzer ab. Nach und nach kam regenbogenfarbig schimmerndes Perlmutt darunter zum Vorschein. 
«Mhm, das tut gut, efcharisto», bedankte sich Cala.
«So, mein Lieber und jetzt zu dir. Ich habe gehört, dass du mich etwas fragen willst. Ich hab grad ein Momentchen Zeit bis zu meinem nächsten Termin. Also, wie kann ich dir helfen?» 
«Wie kann ich den Horizont erreichen?» fragte Yanni aufgeregt. 
Cala schüttelte ernst den Kopf.
«Es tut mir leid, aber ich muss dich enttäuschen. Den Horizont kannst du beim besten Willen nicht erreichen. Niemand von uns kann das, solange er lebt.» 
«Das glaub ich dir nicht!», entgegnete Yanni stur. 
Die Schildkröte ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. 
«Ich werde dir ein Geheimnis anvertrauen. Ich selbst wollte mal zum Horizont reisen», flüsterte sie ihm zu. 
«Wirklich?» fragte Yanni nach. 
«Ja, als ich noch jung war, erzählte mein Vater mir, dass er vor langer langer Zeit Acheloos, den Vater der Sirenen, belauscht und dabei erfahren hatte, dass an einem ganz bestimmten Punkt des Horizonts die Weisheit ihren Ursprung hat. Derjenige, der diesen geheimen Ort fände, würde zum weisesten Lebewesen auf Erden. Als ich dies hörte, war meine Entscheidung schnell gefasst. Ich wollte diesen Punkt am Horizont finden und zum weisesten Tier der Welt werden. Ohne meinen Eltern etwas zu sagen, machte ich mich auf den Weg. Viele Jahre war ich unterwegs, doch den Horizont erreichte ich nie. Ich verlor dabei keinen Gedanken an meine besorgte Familie. Niemand konnte mich von meinem Vorhaben abbringen und ich merkte nicht, wie einsam ich geworden war. Yanni, mach nicht denselben Fehler! Den Horizont kann man nicht erreichen. Aber es gibt genügend Orte auf der Welt, die auf uns warten und die uns ihre Geheimnisse anvertrauen können», sprach die Schildkröte ehrlich. 
Störrisch schüttelte Yanni den Kopf. 
«Ich glaub dir kein Wort. Du lügst mich an! Ihr wollt alle nicht, dass ich den Horizont erreiche und mehr weiß als ihr alle zusammen!», rief er aus. 
Cala schüttelte den Kopf und machte sich wieder auf den Weg. 
«Was heißt denn schon mehr? Du weißt mehr als die einen, aber auch weniger als die anderen. Das tun wir alle. Niemand hat die Weisheit mit Löffeln gefressen, auch wenn heute manch einer so tut als ob. Höre auf mich und geh nach Hause zurück. Du verschwendest nur deine kostbare Zeit», rief sie ihm noch zu und verschwand langsam in den unergründlichen Tiefen des Meeres. 

GLÜCK GEHABT
Wütend wollte Yanni zurück aufs Boot schwimmen, als sich ein Schatten über ihn legte. Er blickte hoch und erkannte einen stattlichen Hai. Schnell versteckte er sich hinter einem großen Felsen und verfolgte dessen flinke Bewegungen.
«Aber klar, der Haifisch!», dachte er.

«Er ist schlau und hat schon in allen Meeren dieser Welt gejagt. Er wird mir wohl sagen können, ob und wie man den Horizont erreichen kann.»
Nicht einmal die Gefahr, vom gefürchteten Raubfisch gefressen zu werden, hielt ihn davon ab, sich diesem zu nähern. Er nahm seinen ganzen Mut zusammen und kam aus seinem Versteck hervor. Doch der Hai war bereits verschwunden. Enttäuscht wandte sich Yanni  ab, um zurückzuschwimmen und blickte starr vor Schreck in eine Reihe messerscharfer Zähne.
«Buh!», machte der Hai und grinste belustigt.
Yanni spürte, wie ihm das Blut in den Adern gefror.
Das wars dann wohl!, dachte er und schickte ein letztes Stoßgebet zum Himmel.
«Du hast Glück, dass ich bereits gegessen habe. Du wärst wahrlich ein kleiner Leckerbissen gewesen», sagte Astrapi, der Haifisch und griff nach einer auf dem Meeresgrund vor sich hin rostenden Eisenschnur, um sich die Zahnzwischenräume damit zu putzen.
«Gibt es etwas Langweiligeres als Zähne putzen?», beklagte er sich und ließ Yanni nicht aus den Augen.
Yanni schluckte eingeschüchtert. Astrapi lächelte zufrieden und Yanni nutzte die Gunst der Stunde, um ihm die Frage zu stellen, die ihm auf der Zunge brannte.
«Niemand konnte mir bis jetzt eine Frage beantworten. Aber du, stark und schlau und schnell wie ein Blitz, wirst mir sicher weiterhelfen können», stammelte er.
«Was für eine Frage?», wollte der Hai geschmeichelt wissen.
«Ich will zum Horizont. Weißt du, wie man dorthin gelangt?» fragte Yanni schließlich.
Erstaunt sah ihn der Raubfisch an.
«Es stimmt. Ich kann dir deine Frage beantworten, aber von nichts kommt nichts oder wie unsereins sagt, eine Flosse wäscht die andere. Zuerst putzt du mir meine Beißerchen zu Ende und dann sag ich dir, was du wissen willst,» meinte er grinsend.
Yanni zögerte.
«Na, komm schon. Ich tu dir schon nichts. Du hast mein Wort!»
«In Ordnung», willigte Yanni ein und gab sich einen Ruck.
Zitternd streckte er seine Hand in Richtung Hai, als dieser unvermittelt zuschnappte. Yanni konnte gerade noch rechtzeitig die Hand zurückziehen, sodass die Zähne des Haifisches geräuschvoll aufeinanderschlugen.
«Wieso hast du das gemacht?», fragte Yanni vorwurfsvoll.
«Das musst du nicht persönlich nehmen. Ich bin nun mal kein Vegetarier», entschuldigte sich der Hai.
«Wie konnte ich nur so blöd sein!», ärgerte sich Yanni über sich selbst und schwamm, ohne die Antwort des Haifischs abzuwarten an die Wasseroberfläche.
«Warte!», rief ihm Astrapi hinterher.
«Den Horizont kann niemand erreichen. Und das kannst du mir glauben! Ich komme weit herum, denn ich bin das einzige Meerestier, das nie schläft. Ich muss immerzu schwimmen, sonst würde ich ersticken, aber den Horizont habe ich bisher nicht erreicht.»
«Wieso sollte ich dir auch nur ein Wort glauben? Du wolltest mir gerade die Hand abbeißen!»
«Du bist aber auch störrisch!» entgegnete der Haifisch am Ende seiner Geduld.
«Ich werde schon noch jemanden finden, der mir die Wahrheit sagt!», beharrte Yanni.
«Ich sollte dich vielleicht doch fressen, dann würdest du den anderen nicht mehr mit deiner Sturheit auf die Nerven gehen. Wenn man die Wahrheit wissen will, muss man sie auch ertragen können. Meinst du, ich würde mich nicht mal nach einem tiefen langen Schlaf sehnen? Aber es ist wie es ist. Dafür muss ich mich vor niemandem fürchten. Na ja, stimmt so auch wieder nicht. Ihr nennt uns zwar immer gefährliche Monster, aber wir haben kaum so viele von euch auf dem Gewissen wie ihr! Seit dieser amerikanische Regisseur aus Hollywood, wie hieß er doch gleich, diesen Horrorfilm über den weißen Hai gemacht hat, ist alles noch viel schlimmer geworden. Immer denkt ihr nur in Schwarz und Weiß! Wir sind die bösen und ihr die guten. Dass ich nicht lache!», entrüstete sich Astrapi und schwamm davon.
Yanni sah ihm nach und bemerkte, dass er nicht mehr alleine war. Die restlichen Fische hatten sich wieder aus ihren Verstecken hervorgetraut und blickten ihn verstohlen an. Yanni dachte über Astrapis Worte nach und musste ihm recht geben. So betrachtet war der Mensch tatsächlich der größte Räuber der Geschichte. So weit er auch in seiner Erinnerung wühlte, ein Krieg, den irgendwelche Tiere gegen andere geführt hätten, kam Yanni nicht in den Sinn.

An diesem Abend flickte Yanni weder sein Netz, noch dachte er sich neue Geschichten für Sofia aus. Zum ersten Mal seit langem blickte er in die Weite und versuchte, die feine Linie zwischen Meer und Himmel zu erkennen. Lange war es her, seit er den Horizont gegrüßt hatte. Zu sehr war er damit beschäftigt gewesen, nach dem Weg dorthin zu suchen. Yanni war bei Sonnenuntergang wieder um Jahre gealtert und fühlte sich außergewöhnlich schwach und erschöpft. In seinem Inneren kämpften der junge und der alte Yanni gegeneinander an. Der junge Yanni wollte den Horizont erreichen, eine Antwort auf alles haben, die Welt verändern, während der alte Yanni wusste, dass man nicht alle Fragen beantworten konnte. So saß der Fischer an Deck und zerbrach sich den Kopf darüber, was er denn nun machen sollte, aber er kam auf keine Lösung.

© Text und Zeichnungen Brambrilla 2015 / Daniela und Isabella Cianciarulo

7. Mai 2015

Zum Muttertag

Am Sonntag feiern wir unsere Mamas. Eine gute Gelegenheit, zu überlegen, was deine Mama so einzigartig macht und dich dafür bei ihr zu bedanken! Die Vorlage kannst du gerne ausdrucken und auf der gestrichelten Linie aufschreiben, warum du deine Mama lieb hast. 


Die Herzgirlande kannst du übrigens ganz leicht selbst machen. Farbiges A4-Papier der Länge nach in ca. 1 1/2 cm breite Streifen schneiden. 

Unser Kater Raphi hatte jedenfalls tatkräftig seine Tatzen im Spiel:-)


28. April 2015

Die Geschichte des alten Fischers Yanni, der den Horizont besuchen wollte - Teil 2

Heute geht's weiter mit Yannis Geschichte. In den Tiefen des Meeres begegnet er ganz aussergewöhnlichen Geschöpfen. Springt mit in die Fluten und seht selbst...


SIRENENZAUBER
Schweinswale, Stundenglasdelphine, Geistermuränen, Hammerhaie, Zipfelseegurken, Spiralröhrenwürmer, Seepferdchen, Langnasen-Büschelbarsche, kurz die ganze internationale maritime Task Force schüttelte bei der wie immer am ersten Montag des Monats stattfindenden Krisensitzung den Kopf, als Octo ihnen von der Begegnung mit Yanni erzählte. 
«Den Horizont besuchen! Wir haben wohl andere Sorgen! Uns geht dank denen dort oben hier unten bald die Luft aus. Die Korallenriffe sind praktisch verschwunden, stattdessen liegt überall Müll rum, die Hälfte unserer Verwandten gibt es nicht mehr und der verschwendet seine Zeit mit so einer sinnlosen Reise!», grummelte ein Seehase.
«Weiss er denn nicht, dass der Horizont unerreichbar ist?», fragte ein Kugelfisch schüchtern. 
«Yanni wird genauso wenig den Horizont erreichen, wie wir den Menschen davon abbringen können, unser Zuhause weiter zu verwüsten!», bemerkte eine Pyjamaschnecke und verkroch sich traurig in ihr Häuschen. 
«Jetzt hört mal auf mit Trübsal blasen! Die Lage ist ernst, aber wir können nicht einfach unsere Köpfe in den Sand stecken! Wir werden schon noch auf eine Lösung kommen. Yanni wird uns helfen, da bin ich mir sicher!», munterte Octo die anderen auf.

Yanni liebte das Leben auf dem Meer, wenn er nicht gerade einen Feriendampfer voller lärmender Touristen kreuzte, die sich respektlos benahmen und ihren Abfall einfach über die Reling warfen. 
«Würdet ihr es mögen, wenn jemand seinen ganzen Müll in eurer Stube entsorgen würde!?», rief er ihnen erzürnt zu. 
Doch die Touristen konnten oder wollten ihn nicht hören und winkten ihm breit grinsend zu. 
Sobald sein Ärger verflogen war, genoss Yanni die friedliche Ruhe. Er staunte über die unzähligen Farben des Meeres und des Himmels. Alles änderte sich ständig. Nur sein Freund, der Horizont ließ Wolken und Gezeiten gelassen an sich vorüberziehen, und umrandete die Welt jeden Tag in einer perfekten Linie. 
«Mehr als vierzigtausend Kilometer ist diese Linie lang. Es gibt keinen Ort auf der Welt, den der Horizont nicht kennt. Stell dir das mal vor, Octo!», philosophierte Yanni mit seinem neuen Freund, der ihm oft Gesellschaft leistete, um über die erstaunliche Vielfalt allen Lebens zu reden, aber auch über die Kurzsichtigkeit der Menschen nachzudenken, die in gewissen Dingen nur bis zur eigenen Nasenspitze dachten und keinen Millimeter weiter. 
«Könnte ich doch wieder jung sein! Ich würde den Leuten mit meinen Geschichten deutlich machen, dass die Natur uns nicht braucht, wir aber sie. Wir benehmen uns wie...wie...» suchte Yanni verärgert nach der richtigen Bezeichnung.
«Wie Menschen eben. Tja, mein lieber Yanni, wenn das Wörtchen wenn nicht wär, gäbs im Meer kein Plastik mehr…», antwortete Octo.
Schweigend beobachteten sie die Sternschnuppen und wünschten sich etwas, in der Hoffnung, es würde in Erfüllung gehen. 
Am nächsten Morgen stellte Yanni sich vor den kleinen Spiegel, um sich zu rasieren und traute seinen Augen nicht. Ungläubig berührte er sein Gesicht. Die Glatze und all seine Falten waren verschwunden. Er war wieder einer junger Mann. Kopfschüttelnd fuhr er sich mit den Händen durchs dichte Haar. Glücklich rannte er an Deck und sprang laut juchzend ins Wasser. Er nahm einen tiefen Atemzug und tauchte unter, schwamm immer tiefer und tiefer. Komischerweise verspürte er gar keinen Drang, wieder an die Wasseroberfläche zu schwimmen, um Luft zu holen. Er zwickte sich ungläubig ins Ohr. Nein, das war kein Traum! Er konnte tatsächlich unter Wasser atmen, so wie ein Embryo im Fruchtwasser. 
«Im Grunde sind wir auch Fische bevor wir auf die Welt kommen!», überlegte Yanni.
Fluoreszierende Quallenschwärme, die aussahen wie kleine Raumschiffe, beäugten ihn skeptisch während er vor Freude auf dem Grund des Meeres Purzelbäume schlug. 
«Was ist denn das für ein komischer Fisch?», fragten sie sich verunsichert, da sie in diesen Tiefen des Meeres noch nie einen Menschen gesehen hatten. 
«Ist der etwa gefährlich?» 
Yanni winkte ihnen zu, doch die Quallen missverstanden seine freundlich gemeinte Geste und brachten sich schnell in Sicherheit.
«Verrückt! Einfach nur verrückt!», dachte Yanni. 
Eine weitere Geschichte, die Sofia Yanni kaum glauben würde.
Yanni schwamm weiter auf ein Korallenriff. Er fühlt sich stark und jung und sah Fischarten, die er noch nie zuvor gesehen hatte, als sich zwischen den Bäumchenkorallen plötzlich etwas bewegte. Täuschte er sich oder hatte er tatsächlich eine Sirene erblickt? Neugierig schwamm er näher heran, konnte jetzt aber ausser ein paar Krebsen nichts entdecken. Er musste wohl geträumt haben. Andererseits schwamm er doch hier wie ein Fisch im Meer herum, eine Sirene mehr oder weniger würde ihn jetzt auch nicht verblüffen. 
Plötzlich kitzelte ihn etwas an den Füßen. Er drehte sich um, hörte aber nur ein leises Kichern. 
«Schaut, das ist der alte Fischer Yanni, der den Horizont besuchen will.» 
«Ach, der arme Tölpel! Weiß er denn nicht, dass man den Horizont nicht erreichen kann?», sprachen die wunderschönen Stimmen durcheinander. 
«Bleib lieber hier bei uns! Du wirst es viel schöner haben!», sangen sie mehrstimmig.
«Ihr lügt! Man darf euch nicht trauen!» 
Wütend wandte sich Yanni ab und schwamm an die Wasseroberfläche zurück. 
Schlecht gelaunt kletterte er wieder auf sein Boot und bemerkte, dass seine Bewegungen immer langsamer wurden und dass er seine alten schmerzenden Knochen wieder spürte. Er eilte unter Deck zum Spiegel und erstarrte vor Schreck. Er war wieder gealtert und sein gefurchtes Gesicht blickte ihm traurig entgegen. 
«Was geschieht bloß mit mir?» 
Erschöpft sank er auf das Kajütenbett, rieb sich seine rissig rauen Fischerhände und sah, dass ihm Schwimmhäute zwischen den Fingern gewachsen waren. 
«Verrückt! Einfach verrückt! Ob ich morgen wohl wieder als junger Mann aufwachen werde?», murmelte er neugierig und schlief beim  sanften Rauschen der Wellen ein. 

HEIMWEH

Als die ersten Sonnenstrahlen durch die Bootsluken drangen, stand der alte Fischer schnell auf, um sich im Spiegel zu betrachten. Tatsächlich blickte ihm im Spiegel der junge Yanni entgegen. Wagemutig sprang Yanni ins Wasser, um sich auf die Suche nach Octo zu machen.
Doch sein Freund war nicht zu finden. Die Wasserströmungen trugen wieder stattdessen den bezaubernden Gesang der Sirenen heran. Hin- und hergerissen überlegte er, ob er zu ihnen schwimmen sollte, um nachzufragen, ob sie ihn nur geneckt oder doch die Wahrheit gesprochen hatten. Er erinnerte sich an all die Geschichten, die man sich von den Fischern erzählte, die sich, angelockt vom Gesang, in eine Sirene verliebt hatten und nie mehr an Land gekommen waren, und entschied sich, einen grossen Bogen um die sagenumwobenen Geschöpfe zu machen.
Rastlos schwamm er durch die Gegend. Statt sich an der Unterwasserwelt zu erfreuen, zerbrach er sich den Kopf darüber, welcher Meeresbewohner ihm sagen konnte, ob und wie man den Horizont erreicht. Er schwamm an einem versunkenen Schiffswrack vorbei und erinnerte sich daran, dass die Sirenen von Cala, der weisen Meeresschildkröte, gesungen hatten, die seit Ewigkeiten in diesen Gewässern lebte und sicher wusste, ob man den Horizont erreichen kann oder nicht. 
Yanni bemerkte, dass ihm das Atmen immer schwerer fiel und schwamm hastig an die Wasseroberfläche. Sein Blut pochte laut in den Ohren. Seine Lungen verlangten nach Luft. Kurz vor knapp erreichte er die Wasseroberfläche. Völlig erschöpft hielt er sich am Boot fest und konnte sich mit letzter Kraft an Bord ziehen. Ihm war es  vorgekommen, als wäre er nur eine Stunde unter Wasser gewesen, aber tatsächlich stand schon der Mond wieder am Himmel.
«Ich muss vorsichtiger sein!», ermahnte er sich, «Und rechtzeitig zurückkehren, sonst werde ich in der Tat den Horizont nie erreichen!» 
Erschöpft legte er sich hin und dachte nach, wie es möglich war, dass er sich über Nacht in den jungen Mann verwandelte, den er vor vielen Jahren gewesen war. Man sagte zwar, dass man mit fortschreitendem Alter wieder zum Kinde wird, aber das war nur eine Redewendung. Dass dies mit ihm wortwörtlich geschehen würde, hätte er niemals für möglich gehalten. Wieder eine Frage, auf die er keine Antwort wusste. Überfragt schüttelt er den Kopf. 
«Jedenfalls hoffe ich, dass der Zauber so lange anhält, bis ich wenigstens weiß, was es mit dem Horizont auf sich hat.»

Am nächsten Morgen zog ein Gewitter heran, aber das schreckte den wieder erneut verjüngten Yanni nicht ab, im Gegenteil. Furchtlos sprang er ins Meer, denn er hatte sich vorgenommen, Cala zu finden. Und was sich der junge Yanni im Gegensatz zum alten in den Kopf setzte, das zog er auch durch, Gewitter hin oder her. 
Das Wasser war kühler als sonst, aber das kümmerte ihn nicht. Je tiefer er schwamm, umso weniger nahm er etwas vom Gewitter wahr. Nur die Seeanemonen auf dem Meeresgrund schwankten leicht hin und her. Yanni legte sich neben sie, während über ihnen der Sturm tobte. 
«Was für eine Ruhe hier unten herrscht! Wäre ich jetzt auf meinem Boot, ich würde ich wohl seekrank werden vor lauter Rauf- und Runterschaukeln!» 
Plötzlich ergriff etwas Yannis Fuß und zog ihn zu sich heran. Yanni erkannte Ottos Tintenfischarme, die sich um seinen Hals schlangen. 
«Octo, lass mich los. Ich bin es, Yanni!» 
«Yanni? Was ist denn mit dir geschehen? Warst du nicht mal älter? Lipame, es tut mir sehr leid!», entschuldigte sich Octo und lockerte den Griff. 
«Ich dachte schon, ich hätte gerade mein Frühstück gefangen.»
«Brauchst du eine Brille oder was?», erzürnte sich Yanni und rieb sich den Hals, der mit roten Saugflecken übersät war. 
«Ja, ich bin schrecklich kurzsichtig und hätte mich schon lange darum kümmern müssen, aber so wie du jetzt ausschaust, hätte ich dich eh nicht erkannt. Und überhaupt, was suchst du hier unten, so ganz ohne Sauerstoffflasche?», fragte Octo, um das Thema zu wechseln. 
«Das ist eine lange Geschichte. Die Sirenen haben mich verspottet und gesagt, dass man den Horizont nicht erreichen kann. Stimmt das?»
Octo blickte betreten weg bevor er schließlich nickte. 
«Das stimmt nicht! Die weise Schildkröte wird mich nicht anlügen!», ereiferte sich Yanni.
«Yanni, glaub mir! Ich bin doch dein Freund. Den Horizont kann niemand erreichen. Mit jedem Schritt, den wir auf ihn zu machen, macht er einen Schritt von uns weg. Ich wollte dich nicht enttäuschen. Und ausserdem wärst du dann wieder nach Hause gefahren und ich... ich hätte einen Freund verloren.» 
«Freund nennst du das?!», erwiderte Yanni aufgebracht. «Du hättest mich beinahe erwürgt!» 
«Ich hab mich doch schon entschuldigt! Du kannst aber auch stur wie ein Esel sein! Cala ist keine Frühaufsteherin. Sie schläft noch. Du musst dich also noch etwas gedulden», erklärte Octo, bevor er sich schmollend auf den Weg machte. 
Yanni setzte sich enttäuscht hin und betrachtete einen blau leuchtenden Seestern. Sein Vater hatte ihm früher erzählt, dass Sternschnuppen zu Seesternen werden, wenn sie ins Meer fallen. Er hatte sich das als kleiner Junge immer vorzustellen versucht und musste nun feststellen, dass das auf seine eigene Art tatsächlich so war. Die Erinnerungen an sein altes Leben machten Yanni etwas wehmütig. Zum ersten Mal seit Tagen vermisste er seine Insel, seine störrische Ziege und Sofia. 
«Vielleicht sollte ich wieder zurückkehren bevor sich die Kleine Sorgen macht», überlegte Yanni, während er mit seinen Zehen im Meeresgrund wühlte und kleine Sandstürme erzeugte. 

© Text und Zeichnungen Brambrilla 2015 / Daniela und Isabella Cianciarulo

18. April 2015

Die Geschichte des alten Fischers Yanni, der den Horizont besuchen wollte - Teil 1

Hallo zusammen
Heute stellen wir euch unseren Freund Yanni vor. Er lebt als Fischer auf einer griechischen Insel und ist schon ziemlich alt. Vieles hat er bereits gesehen, aber das, was er auf seiner Reise zum Horizont erleben wird, das übertrifft alles. Heute macht er sich auf den Weg und nimmt euch gerne die nächsten Wochen mit. Also hisst mit ihm das Segel und entdeckt, wie wundersam die Welt ist...


YANNI MACHT SICH AUF DEN WEG
Die Sonne ging am Horizont unter und tauchte das Meer in schimmerndes Gold. Wie immer um diese Zeit saß der alte Fischer Yanni vor seinem weiß gekalkten Haus und flickte bedächtig sein Fischernetz, während aus der Bar nebenan laute Musik wummerte. 
Yanni war froh darüber, dass sein Gehör mit den Jahren schlechter geworden war und er nur noch bestimmte Geräusche wahrnahm, wie den beruhigenden Wellenschlag des Meeres oder das aufgeregte Kreischen der Möwen. 
Die Zeiten hatten sich geändert. Immer häufiger kehrte er mit praktisch leerem Netz an Land zurück. Die vielen Fischerkutten hatten jahrelang mit ihren Treibnetzen das Meer fast leer gefischt und den Fischen keine Zeit gelassen, für Nachwuchs zu sorgen.
«Spiegeleiqualle, Stachelmakrele, Hornhecht, Seewolf», versuchte sich Yanni an all die Meeresbewohner zu erinnern, die er als Junge beim Schnorcheln vor der Küste seiner Insel gesehen hatte. Er legte sein Netz beiseite, rieb sich die müden Augen und blickte nachdenklich auf den Horizont.
«Kalispera, Yanni. Von welchem Meeresbewohner erzählst du mir heute?», fragte das Nachbarmädchen Sofia neugierig und setzte sich neben Yanni. 
Yanni liess den Blick übers Meer gleiten.
«Heute werde ich dir keine Geschichte erzählen, meine Kleine. Ich muss schlafen gehen, denn morgen gehe ich auf eine weite Reise.» 
«Eine weite Reise?», fragte das Mädchen erstaunt. «Aber bist du nicht schon zu alt dafür?»
Yanni musste über Sofias ehrliche Art lachen und fuhr mit der Hand über ihr sonnengebleichtes Haar. 
«Man ist nie zu alt, um einen guten Freund zu besuchen», antwortete er. 
Die Hände auf die Knie stützend stand Yanni langsam auf und trat in sein Haus. Nachdenklich blieb Sofia vor dem Haus sitzen bis der alte Fischer das Licht in seinem Zimmer ausmachte. Wer würde ihr nun in der Zwischenzeit all die schönen Geschichten erzählen?

Mit einem Lächeln auf dem Gesicht lag Yanni in seinem Bett und träumte von längst vergangenen Zeiten, als er noch ein Junge war und im Sommer am Strand arbeitete, wo er die Tagesmieten für die Sonnenschirme bei den Touristen einsammelte, um für ein Fahrrad zu sparen. Er hörte wieder das ungeduldige Rufen seiner Mutter, das er damals überhörte, um abends länger mit seinen Freunden spielen zu können. Und er sah das wettergegerbte Gesicht seines Vaters vor sich, wie er ihm beim Flicken des Netzes von den Geheimnissen des Meeres und seinem guten Freund, dem Horizont, erzählte. 

Als Yanni am nächsten Morgen aufwachte, streckte er sich wohlig und legte sich die Hand aufs Herz. 
«Es schlägt noch», murmelte er dankbar und begann, das Nötigste für seine Reise einzupacken. Dann setzte er seinen Strohhut auf und lichtete den Anker seines kleinen Fischerbootes. 
Etwas später kam Sofia auf dem Weg zum Strand an Yannis Haus vorbei und entdeckte eine Nachricht, die er an der blau gestrichenen Holztür hinterlassen hatte.
«Liebe Sofia. Ich werde in ein paar Tagen zurück sein. Bitte füttere während meiner Abwesenheit Athina. Yanni.» 
Bald wussten alle Dorfbewohner von Yannis plötzlicher Abreise. Jeder sprach davon, sogar Nikos, der Bäcker, der sonst lieber schwieg und sich neue Kuchenrezepte ausdachte. 
«Ich hab kein gutes Gefühl, gar kein gutes Gefühl!», murmelte er und reichte Sofia eine ofenwarme mit Nüssen gefüllte Blätterteigrolle, bevor er wieder in seiner Backstube verschwand.
Schon nach kurzer Zeit vermisste Sofia den alten Fischer. Jeden Abend hielt sie Ausschau nach seinem Boot, während Athina, Yannis störrische Ziege, an den Möhren knabberte, die Sofia ihr vorbeibrachte. 
Der Sommer und der Herbst zogen vorüber. Die Touristen verließen einer nach dem anderen die kleine Insel, aber Yanni kam nicht von seiner Reise zurück. Bald dachten die Dorfbewohner, dass der alte Mann wohl für immer gegangen, vielleicht sogar gestorben war. Nur Sofia war überzeugt, dass er eines Tages wieder quicklebendig zurückkommen und ihr vom Besuch bei seinem Freund erzählen würde. 

OCTO, DIE RIESENKRAKE
Die Tage wurden kürzer. Der Strand gehörte wieder nur den Möwen, die kreischend auf den Wogen des Windes trieben. Der Winter brachte so viel Schnee wie noch nie zuvor und ließ langsam die Erinnerung an Yanni schwinden. Keiner der anderen Dorffischer war ihm auf hoher See begegnet. Man hatte sich schweren Herzens mit der Vorstellung abgefunden, dass er wohl nie mehr zurückkehren und die Abende mit seinen wundersamen Meeresgeschichten verkürzen würde. 
Aber Yanni war nicht, wie alle glaubten, gestorben. Ganz und gar nicht. Er war immer noch auf dem Weg zum Horizont. Eine Insel nach der anderen war am alten Mann vorübergezogen. Ebbe war auf Flut gefolgt. Flut auf Ebbe. Der Mond hatte zu- und dann wieder abgenommen. Die Sicht war manchmal trüb gewesen, dann wieder sternenklar. Ein Tag hatte sich an den anderen gereiht, bis Yanni mutterseelenallein mitten in den Weiten des Meeres gelandet war. Nur der Horizont leistete ihm Gesellschaft.
«Jasu, mein Freund. Nun bin ich doch schon ein paar Tage unterwegs, und immer, wenn ich glaube, ich bin jetzt bald vor deiner Haustür, muss ich feststellen, dass du wieder ans Ende der Welt gerückt bist. Führst du mich vielleicht an der Nase rum?», murmelte Yanni und blickte auf die feine Linie zwischen Meer und Himmel, auf der gerade die feuerrote Abendsonne ins Meer tauchte. 
Plötzlich blubberte es seltsam neben Yannis Boot. Neugierig beugte er sich über den Bootsrand und erblickte unzählige Luftblasen, die an die Wasseroberfläche stiegen. 
«Was wird das denn wieder sein?», fragte sich der alte Fischer.
Er hatte nämlich schon einige Dinge aus dem Meer gefischt, die da nicht hingehörten: rostige Fahrräder, kaputte Fernsehgeräte, Autoreifen und unzählige Plastikflaschen. Einmal war er sogar auf ein Fass mit einer grünen Flüssigkeit gestossen, die schrecklich stank und auf der Haut brannte. So etwas konnte nicht gesund sein. Weder für die Tiere noch für die Menschen. Aber was konnte er schon alleine dagegen anrichten?
Yanni kniff seine Augen zusammen, um erkennen zu können, was in seinem Netz gelandet war, als zwei riesige, glitschige Tintenfischarme aus dem Wasser schnellten und sich am Boot festsaugten. 
Erschrocken wich Yanni zurück. Das Blubbern wurde immer stärker, schließlich ragte auch der Kopf des Tintenfisches aus dem Wasser. Vergnügt betrachtete er den alten Fischer mit seinen glubschigen Augen und schlug mit den restlichen Tentakeln auf die Wasseroberfläche. 
«Willst du wohl aufhören!», rief Yanni aus und wischte sich das brennende Salzwasser aus den Augen. 
Octo, der Tintenfisch, lachte amüsiert. 
«Na, alter Yanni! Immer noch nicht den Horizont erreicht?», fragte er freundlich. 
«Woher kennst du meinen Namen? Und wieso können wir miteinander sprechen?», fragte Yanni erschrocken.
«Ach, das ist doch nicht wichtig!», antwortete der Tintenfisch. «Viel wichtiger ist, wie du dein Ziel erreichen kannst», erklärte die Riesenkrake. 
«Du weißt, wie ich den Horizont erreichen kann?», wollte Yanni aufgeregt wissen. 
«Gewiss, mein Freund, gewiss. Aber die Frage ist, ob der Horizont will, dass ich dir das verrate. Er hat doch Freunde auf der ganzen Welt. Stell Dir mal vor, die würden ihm alle auf einmal einen Besuch abstatten wollen», sagte Octo schmunzelnd und benetzte sich die ausgetrocknete Stirn. 
Yanni setzte sich hin und überlegte kurz. 
«Daran habe ich gar nicht gedacht.» 
«Ja, so ist das mit den Menschen. Man muss euch ab und zu auf die Sprünge helfen», neckte ihn Octo und bespritzte ihn wieder. 
Yanni gab ihm lachend recht und leckte sich das salzige Wasser von den Lippen. 
«Es wäre wohl höflicher, wenn jemand ihm sagen würde, dass ich auf dem Weg zu ihm bin. Könntest nicht du vielleicht...?», fragte er den Tintenfisch. 
«Gerne, Yanni! Und du machst in der Zwischenzeit nichts, was ich nicht auch machen würde. Kali nichta und schlaf gut», verabschiedete sich Octo mit einem Augenzwinkern und verschwand blubbernd in den dunklen Fluten. 
Yanni legte sich hin und dachte über die einzigartige Begegnung mit Octo nach. Diese Geschichte würde ihm bei seiner Rückkehr wirklich niemand glauben.

© Text und Zeichnungen Brambrilla 2015 / Daniela und Isabella Cianciarulo

5. April 2015

Frohe Ostern


Geniesst die Tage, freut euch mit euren Lieben und macht nur, was euch Spass macht! Bis bald, eure Brambrillas!

1. April 2015

Ostergrüsse

Die schönsten Grüsse kommen von Herzen. 


Diese Eier aus Papier sind schnell gemacht und können als Postkarten oder als Mobiles - an einem Frühlingsast aufgehängt - Osterstimmung verbreiten. Faltet das Tonpapier einmal der Länge nach zur Hälfte zusammen. Ihr könnt unsere Schwarz-Weiss Vorlage nehmen und so auf das Papier legen, dass die gerade Seite der Vorlage genau auf der Falzkante des Tonpapiers liegt. Ihr könnt die Vorlage mit zwei Briefklammern befestigen. Dann den Eiumriss und die Formen aus dem doppelt liegenden Tonpapier mit der Schere ausschneiden. Ihr könnt aber auch selbst eure Muster kreieren. Mit dem Locher zuletzt noch die Kreise ausstanzen und schon seid ihr fertig. Wenn ihr schon volles Programm habt und nur noch wenig Zeit, dann könnt ihr unser Bild  auf dickerem Papier ausprinten, in der Mitte leicht falzen und mit euren Grüssen versehen. 
Habt Spass!

19. März 2015

Frühlingswunder

Ihr Lieben
Morgen ist ein besonderer Tag. Der Mond steht zwischen Erde und Sonne und deckt die Sonne bis zu 80% zu.


Es kann also mitten am Tag fast zappenduster werden. Stellt euch vor. Es dauert etwa 375 Jahre, bis man an einem Ort eine totale Sonnenfinsternis sehen kann. Die nächste wird in der Schweiz und in Deutschland erst wieder im Jahr 2081 zu sehen sein! Und ausgerechnet morgen zum Frühlingsanfang sind Tag und Nacht genau gleich lang. Also, wer da die Welt nicht spannend findet, kann einfach in der Nase weiterboren:-) Alle anderen sollten sich aber auf jeden Fall eine Sonnenfinsternisbrille besorgen, sonst kann das Schauspiel mächtig ins Auge gehen! Schönen Frühlingsanfang wünschen wir euch!

18. März 2015

Büchsenwerfen mal anders

Wenn alle versteckten Eier im Garten gefunden sind und alle Schokohasen vertilgt, könnt ihr euch mit dem selbstgebastelten Wurfspiel verlustigen.


Dazu braucht ihr 10 Klopapierrollen, farbiges Papier, Wachskreiden, Acrylfarbe, Spielaugen oder Knöpfe, Bastelkleber und Schere. Die 9 Rollen mit dem farbigen Papier bekleben oder mit Acrylfarbe anmalen. Die 10. Rolle mit braunem Papier oder Packpapier bekleben. Ihr könnt natürlich auch den Hasen anmalen und aus Papier die Ohren schneiden und draufkleben. Aus weissem, rosa und schwarzem Papier eine Nase, das Schnäutzchen und die Barthärchen schneiden und ankleben. Die Eier mit den Zahlen könnt ihr draufmalen oder aus farbigem Papier basteln und draufkleben. Und schon kann's losgehen. 


Ihr könnt die Rollen zu einer Pyramide aufbauen. Die Spitze bildet der Osterhase mit 10 Punkten. Von einer bestimmten Linie werft ihr nun einen kleinen Ball auf die Pyramide. Wer schafft es, nur den Hasen runterzuholen? Wer trifft mit dem Ball die meisten Rollen? Wer hat am meisten Punkte?
Ihr könnt die Rollen aber auch wie Kegel aufstellen. Der Hase steht in der Mitte. Wer schafft es, mit dem Ball den Osterhasen umzuwerfen?

14. März 2015

Ei-Tangram


Aus China stammt dieses Legespiel, das ihr ausprinten, den schwarzen Linien entlang ausschneiden und wieder zusammenfügen könnt. Ihr müsst alle Teile verwenden, und keines der Puzzleteile darf über einem anderen liegen. Hört sich leichter an als es ist. Versucht doch auch andere Formen, z.B. Vögel- oder Hasenformen zu legen.

10. März 2015

An der Nasen kitzelt's den Hasen


An der Nasen kitzelt's den Hasen, hoppelt helljauchzend auf künstlichem Rasen, wirft um alle Vasen, hat vom vielen Hoppeln ganz viele Blasen, nuschelt lustige Frasen, schon fehlt mir nichts mehr ein auf -asen. Nehm' halt die Öhrchen orange wie Momöhrchen, gerate schon wieder ins Reimmalörchen. Sag' Tschüss und bis bald, renn schnell in den Wald und renn eine Runde mit 'ner kugelrunden Kunigunde.

6. März 2015

25. Februar 2015

Bald hoppelt der Osterhase wieder...


Schon bald zeigt der Osterhase 
seine rosa Nase. 
Klaut den Hühnern die Eier 
oder kauft sie auf dem 
Biohof der Familie Meier.
Dann rein mit dem Pinsel 
in den Farbentopf, 
jedes Ei bekommt 
einen lustigen Schopf. 
Und im Garten gut versteckt, 
ihr Kinder sie dann schnell entdeckt.




14. Februar 2015

Wurmo wurmt etwas

Zum Tag des Regenwurms gibt's die Geschichte von Wurmo.
Habt ihr gewusst, dass der Regenwurm beim Graben das 50-fache seines Körpergewichts zur Seite schiebt? 400 - 500 Stück leben auf einem Quadratmeter und sorgen für die perfekte Bodendurchlüftung. Ganz schön stark, oder?! 




"Ohjehminemine!", seufzt Wurmo niedergeschlagen, als er in der Regenpfütze sein Spiegelbild sieht.
"Braun, schrumplig und glitschig. Schön geht anders. Ohjehminemine!", mault Wurmo, der Regenwurm noch lauter auf und schaut neidisch zum schönen Buntspecht, der auf einer Astgabel über ihm sein schönes Gefieder putzt. Mehrere seiner bunten Federn fallen dabei zu Boden direkt vor Wurmos Nase. Und Wurmo hat eine Idee. Er sammelt die Federn ein und klebt sie sich mit etwas Baumharz an seinen so hässlichen Körper.
"Schon besser, aber noch nicht perfekt", denkt Wurmo und lächelt.
Jede Feder, die Wurmo auf seinem Weg findet und die ihm gefällt, klebt er sich nun am ganzen Körper auf. Eine regenbogenschillernde Elsterfeder, eine leuchtend weisse Schwanenfeder, die prächtige Feder eines Mäusebussards. Besonders stolz ist er auf die nachthimmelblaue Pfauenfeder, die er gestern am Wegrand gefunden hat. Wurmo sucht, findet und klebt auf, bis er keinen Platz mehr auf seinem Körper hat, um die klitzekleinste Kolibrifeder aufzukleben. Sein neues Federkleid ist nicht gerade kriechfreundlich. Ausserdem kann Wurmo seit Wochen nicht mehr in der Erde wühlen, wie er es so gerne tut. Aber für sein neues Aussehen nimmt er das gerne in Kauf, auch wenn er schon ganz dünn geworden ist und sein Magen laut rumpelt vor lauter Hunger. Müde und geschwächt bleibt Wurmo kurz stehen und bewundert im Seerosenteich sein Gefieder, als er ein zuerst leises und dann immer lauter werdendes Lachen hört. Wurmo blickt um sich und entdeckt die Nacktschnecke, die sich vor Lachen den nackten Bauch hält. 
"Was ist denn mit dir passiert, Wurmo?! Karneval ist doch schon längst vorbei", sagt die Nacktschnecke amüsiert und lacht sich schlapp.
"Halt die Klappe! Hast du dich mal angeschaut, du hässlicher Schleimkriecher!", antwortet Wurmo beleidigt.
"Mag schon stimmen. Aber lieber bin ich eine schlabbrige Nacktschnecke, als ein armes, unfreundliches Würmchen, dass keinen Spass mehr versteht!", antwortet die Nacktschnecke gekränkt und macht sich so schnell es geht aus dem Staub.
"Ohjehminemine, ganz unrecht hat sie nicht!", murmelt Wurmo und betrachtet sein Spiegelbild. 
"Ich bin wirklich ein armes Würmchen geworden!" 
Wurmo fasst einen tapferen Entschluss und rollt so lange in einer kleinen Wasserpfütze hin und her bis sich all seine Federn wieder abgelöst haben. Wehmütig blickt Wurmo zum Himmel und träumt von seinem Gemüsegarten, in dem er so gerne die Erde durchwühlt. Doch die Federnsuche hat Wurmo ganz weit weg von seinem Zuhause geführt und jetzt ist er zu schwach, um den ganzen Weg zurückzukriechen. Die Mittagssonne brennt kochendheiss auf Wurmo herab. Er müsste sich unter einem Blatt in Sicherheit bringen oder sich in die Erde graben, um nicht auszutrocknen. Doch Wurmo ist zu schwach. Traurig schliesst er die Augen. Wurmo hat sich schon aufgegeben, als ihn jemand vom Boden hebt und vorsichtig auf ein feuchtes Blatt legt.
"Hoffentlich kein Fischer!", denkt Wurmo verzweifelt.
"Was für ein schönes Würmchen", hört Wurmo stattdessen eine freundliche Mädchenstimme sagen.
"Genau so einen wie dich kann ich in meinem Blumenbeet gebrauchen", freut sich das Mädchen und träufelt etwas Wasser auf Wurmo, der dankbar die Augen öffnet.
Das Blumenbeet seiner neuen Freundin ist nun sein Zuhause und von hier will er für kein Federkleid der Welt wieder weg. Wurmo geniesst sein zweites Leben, lockert die Erde auf und gräbt unterirdische Gänge wie kein zweiter in der Gegend. Sein Blumenbett ist das schönste weit und breit. Wann immer es die Zeit zulässt, hält Wurmo kurz inne und blickt zufrieden auf seine Arbeit. Blumen in den schönsten Farben leuchten ihm entgegen und winken ihm dankbar für seine wichtige Arbeit zu.
"Ich mag zwar nicht der schönste Wurm sein, aber ein armes Würmchen bin ich ganz bestimmt nicht mehr!", denkt Wurmo und gräbt sich freudig wieder in die Erde ein.

© Brambrilla / Isabella und Daniela Cianciarulo

12. Februar 2015

Eine tierische Liebesgeschichte zum Valentinstag

Kuh Elsa sucht nach dem Sinn des Lebens


Kuh Elsa war schön, aussergewöhnlich schön sogar. Ihr braun-weiss geflecktes Kuhfell glänzte gesund und samtig, ihre Augen funkelten moosgrün, und ihre Milch war die würzigste und sahnigste weit und breit. 
Sie hatte ein schönes und gemütliches Leben. Bauer Frederikson pflegte und verwöhnte sie mehr als all seine anderen Kühe, denn sie war seine Lieblingskuh. Eigentlich hätte die schöne Kuh Elsa zufrieden sein müssen mit ihrem Leben, doch das war sie nicht. Obwohl alle sie mochten, sie unbestritten die schönste und beliebteste Kuh war, wurde sie mit der Zeit immer grimmiger und unzufriedener und sogar ihre Milch schmeckte nicht mehr so gut wie sonst. 
Bauer Frederikson konnte einfach nicht verstehen, was mit seiner Lieblingskuh los war und machte sich grosse Sorgen. Nicht mal Tierarzt Erikson fand etwas Ungewöhnliches, weder in Elsas Magen noch sonst wo. 
Als sie eines Morgens lustlos an einem saftigen Grashalm kaute, stellte sich Elsa folgende Frage: „Das kann doch nicht alles sein im Leben einer Kuh? Gras kauen, Gras verdauen, muhen, Milch geben und dann wieder Gras kauen?“
Verärgert spuckte sie den Grashalm aus. 
„Das kann unmöglich der Sinn des Lebens sein!“, murmelte sie grimmig und schubste ein junges Kalb, das ihr beim Spielen zu nahe gekommen war, unfreundlich zur Seite.
Die anderen Kühe staunten nicht schlecht über Elsas ungewöhnliches Verhalten. 
„Was ist nur los mit Elsa?“, rätselten sie.
„So unfreundlich war sie doch noch nie?“, tuschelten sie weiter. 
Elsa scheuchte mit ihrem Schwanz gelangweilt eine lästige Fliege von ihrem schönen Hintern fort und dachte nicht im Traum daran, den anderen Tratschkühen zu erzählen, was sie bedrückte. 
„Ich muss zum schlauen Bullen Jansen. Er kann mir sicher sagen, weshalb ich auf dieser Erde bin und was der Sinn des Lebens ist“, muhte Elsa zuversichtlich und war plötzlich gar nicht mehr so unglücklich, denn jetzt wusste sie, was sie zu tun hatte. 
Alsbald machte sie sich auf den Weg zu Bulle Jansen, der am anderen Ende der Weide friedlich dösend die ersten warmen Sonnenstrahlen genoss. Als der alte Jansen die schöne Elsa kommen sah, richtete er sich sogleich aufgeregt in seiner immer noch stattlichen Grösse auf und grinste ihr etwas dümmlich entgegen. Denn obwohl Bulle Jansens Sicht nicht mehr ganz so gestochen scharf war, konnte er erkennen, dass Kuh Elsa wahrlich eine Schönheit war im Vergleich zu den Kühen, die er sonst zu Gesicht bekam. 
„Guten Morgen Bulle Jansen“, begrüsste ihn Elsa und schaute dem alten Bullen dabei tief in die Augen, so wie nur sie es konnte. 
„Äh, guten Morgen schöne Elsa“, stotterte Bulle Jansen und räusperte sich verlegen. 
„Was kann ich für dich tun?“, wollte er wissen und grinste breit. 
„Du bist bekanntlich schlau und hast schon so viel erlebt. Sag mir doch bitte, was der Sinn des Lebens ist“, bat Kuh Elsa, ohne lange um den heissen Brei zu reden. 
„Wie bitte?“, prustete der alte Jansen los. 
Verärgert blickte Elsa zum Bullen auf, der kaum aufhören konnte zu lachen. 
„Wie um Himmels willen soll ich wissen, was der Sinn des Lebens ist?“, brachte er mühsam hervor, als er sich wieder etwas beruhigt hatte. 
Enttäuscht schaute Elsa ihn an. 
„Kennst du denn wenigstens jemanden, der mir meine Frage beantworten könnte?“, fragte Elsa beharrlich. 
Bulle Jansen schüttelte amüsiert den Kopf und schaute in den Himmel. 
„Gott könntest du fragen“, antwortete er spasseshalber. 
„Und wo finde ich den?“, fragte die schönste aller Kühe etwas ungeduldig. 
Bulle Jansen lachte wieder los. 
„Na da oben, im Himmel findest du ihn“, sagte er und hielt sich den vom vielen Lachen schmerzenden Bauch. 
„Und wie komme ich von hier nach da?“, fragte Kuh Elsa unbeirrt weiter. 
Bulle Jansen hörte auf zu lachen und schaute Elsa ernst an. 
„Schöne Elsa, in den Himmel kommen nur die ganz braven und lieben Kühe“, erwiderte Jansen und versuchte nicht erneut zu lachen. 
„Dann kann ich das mit Gott und dem Himmel vergessen“, sagte Elsa enttäuscht, liess Bulle Jansen stehen und trottet traurig davon. 
„Elsa, warte mal!“, rief ihr der Bulle etwas schuldbewusst nach. 
Elsa blieb stehen und schaute missmutig zurück. 
„Was ist? Du kannst mir nicht helfen und Gott auch nicht!“, grummelte Elsa mürrisch. 
„Entschuldige, dass ich mich lustig über dich gemacht habe, Elsa, aber es war einfach zu verlockend“, entschuldigte sich der Bulle und lächelte Elsa so nett an, dass sie ihm augenblicklich verzieh und ebenfalls lächeln musste. 
Alles konnte man von Elsa behaupten, aber nicht, dass sie nachtragend war. 
„Du willst also wissen, was der Sinn des Lebens ist?“, sagte Bulle Jansen. 
Elsa nickte. 
Bulle Jansen näherte sich Elsa und sprach mit Blick auf die restlichen Kühe so leise, dass nur Elsa ihn hören konnte. 
„Ich kann dir nur verraten, was der Sinn meines Lebens ist“, verriet er und schaute Elsa vielsagend an. 
Elsa blickte ihn erstaunt an. 
„Was? Du willst behaupten, es gibt nicht nur einen Sinn des Lebens, sondern mehrere?“, flüsterte Elsa nun völlig verwirrt. 
Bulle Jansen nickte. 
„Für manche Kühe ist der Sinn des Lebens, das schönste Fell zu haben, die beste Milch zu geben, das prächtigste Kalb auf die Welt zu setzen oder einfach nur Gras zu fressen“, erklärte Bulle Jansen.
„Herrjemine! Das macht ja alles noch komplizierter. Wie soll ich denn da noch den richtigen finden?“, murmelte sie nachdenklich. 
Sie hatte doch schon das schönste Fell, gab die beste Milch und trotzdem hatte sie nicht das Gefühl, den Sinn ihres Lebens gefunden zu haben. Die Schönste und Tüchtigste zu sein, war für Elsa nicht genug.
„Und? Willst du nicht wissen, was der Sinn meines Lebens ist?“, fragte Bulle Jansen und grinste schelmisch. 
„Das interessiert mich herzlich wenig. Ich muss ja meinen finden!“, antwortete Elsa frech und liess den armen Bullen, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, stehen. 
Elsa überlegte und überlegte. Wen konnte sie denn bloss fragen? Wer konnte wissen, wie und wo sie ihren ganz eigenen Sinn des Lebens finden konnte? 
Nachdenklich blieb sie stehen und war so in Gedanken versunken, dass sie den kleinen Jungen erst nach einer Weile bemerkte. Mutterseelenallein sass er mitten im Gras und weinte herzergreifend vor sich hin. Kuh Elsa blickte auf und trottete träge zum Jungen hin. 
„Weshalb weinst du?“, fragte sie etwas mürrisch, da sie lieber über ihr eigenes Problem nachgedacht hätte. 
„Ich hab mich verlaufen“, antwortete der Kleine schluchzend. 
„Du hast dich nicht verlaufen, Dummkopf! Du bist doch Bauer Frederiksons Sohn, oder?“, fragte Elsa eine Spur zu wirsch. 
Der Junge nickte schniefend. 
„Na siehst du? Ich bin Frederiksons Lieblingskuh Elsa, also ist das Frederiksons Kleefeld. Das heisst, du hast dich nicht verlaufen. Steig auf meinen Rücken. Ich bring dich nach Hause“, sagte Kuh Elsa schlecht gelaunt und legte sich ins Gras, damit der kleine Junge besser auf ihren Rücken klettern konnte. 
Schnell stieg Bauer Frederiksons Sohn auf Kuh Elsas schönen Rücken und lächelte erleichtert. 
„Du weisst nicht zufällig, was der Sinn des Lebens ist?“, fragte Elsa den kleinen Jungen, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. 
„Papa, Mama!“, schrie der Kleine plötzlich aufgebracht und streckte seine Arme nach Bauer Frederikson und dessen Frau aus, die mit besorgten Gesichtern auf Elsa zueilten. 
„Wo hast du nur gesteckt, Jonas? Wir haben uns solche Sorgen gemacht!“, rief Bauer Frederikson, hob behutsam den Jungen von Kuh Elsas Rücken und drückte ihn fest an sich, während Elsa die wieder vereinte Familie interessiert beobachtete. Ob vielleicht das der Sinn des Lebens war? 
Traurig darüber, keine Antwort auf ihre Frage gefunden zu haben, trottete sie am Abend in ihren Stall und legte sich zum Schlafen hin. Doch sie konnte keine Ruhe finden. Was, wenn sie nie herausfinden würde, was der Sinn ihres Lebens war? Was, wenn sie einfach bis an ihr Lebensende Gras kauen, Gras verdauen, muhen, Milch geben und dann wieder Gras kauen müsste wie bisher? 
Die Stalltür ging knarrend auf und Bauer Frederikson kam mit einem strahlenden Lächeln in den Stall, um Elsa gute Nacht zu wünschen. Liebevoll kraulte er Elsa zwischen den Hörnern. 
„Meine schöne Elsa! Morgen habe ich eine grosse Überraschung für dich. Als Belohnung für den heutigen Tag“, sagte er fröhlich und verliess den Stall leise vor sich hin pfeifend. 
„Eine Überraschung? Was soll ich denn mit einer Überraschung?“, dachte Elsa und schlief nach einer Weile ein. 
Und in dieser Nacht träumte sie nicht wie üblich von sonnigen Tagen auf der Weide, nicht von Bauer Frederiksons saftigem Klee. Nein, in dieser Nacht träumte sie vom Sinn des Lebens. Nur blöd, dass sich Kuh Elsa am nächsten Morgen, als sie aufwachte, überhaupt nicht mehr an den Traum erinnern konnte. Sie konnte sich anstrengen so viel sie wollte, alles war wie weggepustet. 
„Schade!“, dachte Kuh Elsa enttäuscht, liess den Kopf hängen und trat aus dem Stall. 
Es war ein wunderschöner Morgen, kleine Wattebauschwolken zogen am Himmel vorbei, die Vögel zwitscherten fröhlich auf den Obstbäumen. Meret, die Hofkatze, strich ihr schnurrend um die Hufe. Aber nichts von dem konnte Elsa aufheitern. Sie hörte Bauer Frederiksons Schritte näher kommen und blickte traurig auf. Und da erblickte sie den Sinn ihres Lebens. Direkt vor ihrer Nase, neben Bauer Frederikson stand er und starrte sie aus schokobraunen grossen Augen an. Auf einmal flatterten tausend Schmetterlinge in Elsas Magen herum und kitzelten sie von innen her mit ihren federleichten Flügeln. 
Auf wackeligen Beinen näherte sie sich dem Sinn ihres Lebens, der Leo hiess und die schönsten Bullenaugen der ganzen Welt hatte. 
„Na, wie gefällt dir die Überraschung, meine schöne Elsa?“, fragte Bauer Frederikson gut gelaunt. Elsa muhte überglücklich und trottete gemeinsam mit Leo zur saftigen Kleewiese.

© Brambrilla / Isabella und Daniela Cianciarulo

10. Februar 2015

Spitze die Ohren


Spitze die Ohren, ein Tag ging verloren. 
War's ein Versehen, hast du ihn gesehen? 
Wie schön er doch war: die Sonne im Haar, 
die Wärme im Herzen, gar keine Schmerzen, 
kein Hunger, kein Durst, die leckere Wurst. 
Drum achte aufs Glück, aufs klitzekleinste Stück. 
Horch genau hin, sei mittendrin. 
Dort singt ein Vogel, dort rennt ein Hund. 
Es kann alles geschehen zu jeder Stund!